Die Gruppe „Dementi“

Hier treffen sich Menschen mit einer beginnenden Demenz direkt nach der Diagnose. Für jeden, der erfährt, dass er Demenz hat, ist es ein ziemlicher Schock. Doch bietet die frühe Information auch die Chance, sich aktiv mit der veränderten Lebenssituation auseinander zu setzen. Innerhalb der Partnerschaft und/oder Familie kann besprochen werden, wie der Alltag weiterhin möglichst selbstbestimmt gestaltet werden kann. Aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Hilfe sein.

In der Dementi-Gruppe können sich Menschen mit Demenz gemeinsam mit Gleichbetroffenen austauschen: Eigene Möglichkeiten und Fähigkeiten erkennen, sich gegenseitig Mut machen, sich gemeinsam mit der Erkrankung auseinandersetzen und das Leben mit Demenz weiter aktiv gestalten.

An Demenz erkrankte Menschen möchten ihre Selbstbestimmung bewahren. Sie möchten ihr Leben weiterhin gestalten und können für sich selber sprechen.

Die größten Herausforderungen für Menschen mit Demenz zu Beginn der Erkrankung sind zum Beispiel:

  • Das Ausscheiden aus dem Berufsleben.
  • Die Entscheidung nicht mehr Auto zu fahren.
  • Missverständnisse und Rollenveränderung in der Partnerschaft und
    Familie.
  • Die Aufrechterhaltung der Selbstachtung und Selbstständigkeit.
  • Die Annahme von bedarfsgerechter Unterstützung im Alltag.

In diesem Sinne ist eine wertvolle Form der gegenseitigen Unterstützung.


Gründung

Den Anstoß zu der 2011 gegründeten Dementi-Gruppe gab Viktoria von Grone, die zu dem Zeitpunkt 61 Jahre alt war und mit ihrer Demenz nicht alleine sein wollte.

Auf der Suche nach Kontakt zu Gleichbetroffenen bat sie das Demenz-Servicezentrum Westliches Ruhrgebiet in Duisburg um Unterstützung.

Mit Geduld und Beharrlichkeit gelang es, langsam und stetig ein Gruppenangebot aufzubauen. Zu Anfang waren es nur zwei Frauen, die sich trafen. Innerhalb eines Jahres wuchs die Gruppe zunächst auf fünf Mitglieder und dann stetig weiter. Kurzzeitig war auch die Maximalgröße von 10 Mitgliedern erreicht und weitere Interessierte standen auf der Warteliste. Die durchschnittliche Gruppengröße liegt bei 7-8 Mitgliedern.

Wer wir sind

Wir sind Frauen und Männer im Alter zwischen 55 und 70 Jahren, die seit einem halben Jahr oder jetzt auch schon länger mit der Diagnose Demenz leben. Wir haben auf unterschiedlichen Wegen die Gruppe gefunden. Die meisten über die Beratungsangebote für Angehörige von Menschen mit Demenz, eine von uns auch über die Selbsthilfekontaktstelle.

Uns allen ist es anfänglich sehr schwer gefallen, die Demenz anzunehmen, oder über sie zu sprechen. Sich nicht mehr auf sein Gedächtnis verlassen zu können, ist beängstigend und verunsichert. „Demenz ist für mich eine schlimme Kränkung fürs Egos“, sagte einmal Viktoria von Grone. Aber Gott sei Dank, ist der Mensch und sein Leben „mehr als nur Gedächtnis oder abstraktes Denken“, schreibt Christian Zimmermann in seinem Buch „Auf dem Weg mit Alzheimer“ (2011).

In der Gruppe sprechen wir uns mit unseren Vornamen an. Wir sprechen über unsere Erfahrungen, wie es uns gerade geht, wie wir uns fühlen und was wir in den vergangenen Tagen erlebt haben. Der Austausch und die Auseinandersetzung sind uns wichtig und machen unser Leben mit der Demenz einfacher.

Was bedeutet uns die Gruppe

In der Gruppe erleben wir die drei Z, die wirksamer sind als jedes
Medikament:

O-Töne der Teilnehmer:

„Bei den Dementis sein zu können, ist ein Gewinn!“

„Hier ist immer was los.“

„Unsere Gruppe ist lebendig!“

„Hast du schon mal erlebt, dass hier Stillstand ist?“

„Ohne Dementi wäre für mich vieles viel, viel schwieriger.“

„Ich bin ein anderer Mensch durch Dementi.“

„Ich bin selbstbewusster und lebensbejahender geworden, die Gruppe baut mich auf.“

„Ich habe gar nicht gewusst, was ich alles noch kann.“

„Die Gruppe und unsere Aktivitäten sind ein Jungbrunnen für mich.“

Wie wir sind

In der Gruppe sind wir alle langsam. Wir vergessen Namen, Termine und andere Informationen. Einige können nicht mehr gut lesen und schreiben. Das Bezahlen beim Einkaufen und das Rechnen fallen uns schwerer. Auch fehlen uns manchmal die richtigen Worte. Zum Planen und Umsetzen von Alltäglichem brauchen wir Unterstützung.

Trotz dieser Einschränkung ist unser Verstand aber nicht weg. Es gibt Beeinträchtigungen, mit denen wir umgehen müssen. Je weniger Stress wir uns damit machen, desto besser geht es uns. Das ist unsere Erfahrung.

Was wir wollen

Wir wollen…
…uns nicht klein machen.
…die Herausforderungen, die das Leben mit Demenz bedeutet,
annehmen.
…die Auseinandersetzung mit der veränderten Lebenssituation wagen.
…gemeinsam mit Gleichbetroffenen zu unserer Demenz stehen.
…die positive Lebenseinstellung bewahren.
…die Selbstbestimmung, Kompetenzen und Selbstachtung stärken.
…das Miteinander-Lernen im Kontakt zu Menschen mit und ohne
Demenz leben.

Wir…
…sind im Gespräch/Kontakt miteinander.
…stärken uns gegenseitig und machen uns Mut.
…bestimmen die Aktivitäten in der Gruppe selbst.
…entscheiden und planen gemeinsam.
…sprechen für uns selbst.
…wirken nach eigenem Interesse bei Veranstaltungen mit.
…besuchen Veranstaltungen.
…sind kreativ.
…bewegen uns.
…haben Spaß miteinander.

Die Schnecke ist unser Gruppen-Symbol

In der Gruppe gehen wir mit den Veränderungen ganz selbstverständlich um. Wir sind geduldig und lassen uns Zeit. Die Entdeckung der Langsamkeit ist unser Lebensideal. Passend dazu haben wir uns die Schnecke zum Gruppen-Symbol ausgesucht.